Autor: Martin Scheuplein
Zugegeben, irgendwie bewundern wir diese Menschen doch schon sehr; diejenigen, die unseren PC zum Teil der „remote Server-Landschaft“ werden lassen (und uns auch noch erklären könnten, was diese Landschaft überhaupt ist…), oder diejenigen, die mit Pipette und weiteren „alchimistischen“ Gerätschaften Wunderwerke der modernen chemischen Industrie erschaffen, ohne die wir täglich zumindest doch wenigstens ziemlich übel riechen würden (um nur ein banales Beispiel zu nennen).
Wir bewundern Sie, weil Sie ein viel tieferes und spezielleres (Fach-) Wissen haben als der Rest von uns und außerdem damit umgehen, als wäre es ein Kinderspiel.
Und doch gibt es in der beruflichen Welt einen Haken!
Unternehmen brauchen zwar Experten, geben Ihnen aber wenig Möglichkeiten sich im Unternehmen zu entwickeln oder Karriere zu machen. Die Zahl der Unternehmen, die Fachlaufbahnen für ihre Spezialisten anbieten, nimmt zwar weiter zu, doch die Laufbahn mit zunehmender Personalverantwortung bleibt die prestigeträchtigste Art des Karriereaufstiegs. Sollte den Experten die Möglichkeit geboten werden, sich fachlich zu spezialisieren und in die Tiefe zu forschen, ist diese Forschung für andere Mitarbeiter eher langweilig und oft zu kompliziert. Und da Unbekanntes schnell abgewertet wird, gelten diese Fachexperten umgehend als unverstandene Fachidioten.
Ist das in der heutigen Zeit irgendwie zu rechtfertigen?
Sicher nicht!
In der heutigen Zeit liegen die Vorteile für Unternehmen, eine Fachlaufbahn anzubieten und damit ihren Spezialisten eine Wertschätzung und Perspektive zu bieten, mehr denn je klar auf der Hand:
- In Zeiten, in denen neue Erfindungen an den Grenzgebieten verschiedener wissenschaftlich-technischer Disziplinen entstehen, bringt eine Vernetzung von Fachspezialisten einen klaren Vorteil zukünftige Innovationen zu fördern.
- Die Aufgabengebiete der Mitarbeiter werden sinnvoll getrennt und die jeweiligen Stärken optimal gefördert.
- Indem Aufstiegsperspektiven auch abseits der Führungslaufbahn möglich sind, kann kritisches Expertenwissen gehalten, gefördert und weiterentwickelt werden.
Die Frage sollte demnach also weniger heißen „Macht eine berufliche Expertenlaufbahn Sinn?“, sondern vielmehr „Wie muss diese Spezialisierungsmöglichkeit ausgestaltet sein, damit die Experten die notwendige Wertschätzung bekommen, ihr Wissen benutzen, um andere zu beraten, sich gezielt weiterentwickeln können und sie Gleichbehandlung (in Form von Gehaltsbausteinen, Anreizen und Mitbestimmung etc.) erfahren?“. Wenn diese wichtigen Faktoren im Fachkarrieremodell Beachtung finden, können Spezialisten einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten!
Denn mal ehrlich, könnten wir ohne Fachexperten leben?!
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