
Autoren: Christian Jacobs und Julia Neuhaus
In den letzten Jahren hat sich im Bereich Leadership Development viel bewegt. Wie Gianpiero Petriglieri (Affiliate Professor für Organizational Behaviour in INSEAD) in seinem jüngst veröffentlichten Arbeitspapier "Identity Workspaces for Leadership Development" sagt, ist Leadership Development in der letzten Dekade von einer beliebten Aktivität zu einem Feld der ernstzunehmenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung geworden. Diese Auseinandersetzung treibt unweigerlich die Veränderung und Weiterentwicklung von sogenannten Leadership Development-Programmen an und beeinflusst deren Gestalt nachhaltig. Wahrnehmbar ist die Veränderung insbesondere darin, dass international führende Eliteeinrichtungen wie INSEAD oder das IMD in Lausanne ihre Leadership Development-Angebote neuerdings zunehmend als sogenannte „Identity Workspaces“ konzipieren.
Im Gegenzug zu traditionellen Leadership Development-Programmen, die ihren Fokus im Wesentlichen auf der Akquisition von konzeptionellem Wissen und notwendigen Fähigkeiten haben, ermöglicht die Konzeptionierung von Leadership Development-Programmen als Identity Workspace neben diesen Aspekten die Revision und Konsolidierung von individuellen und kollektiven Identitäten. Es geht dabei eben auch darum, die eigene Anbindung an die Herausforderung des Führens zu spüren und zu verstehen, und Wissen und Fähigkeiten in ihrer Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext zu begreifen.
Wie Petriglieri es sagt, geht es bei Führung in der Essenz um die Balance von Aktivität und Identität. Und beide Aspekte bedürfen der kontinuierlichen Entwicklung. Einen Identity Workspace macht seiner Ansicht nach aus, dass es sich dabei um eine geschützte Umwelt für Identitätsarbeit handelt. Einen Rahmen, der den Prozess der Konsolidierung von existierenden Identitäten genauso ermöglicht wie auch eine radikale Neuorientierung.
Was bedeutet das für Arbeitgeber? Früher war es eher wahrscheinlich, dass ein Mensch, der seine Arbeit als zentrales Element seiner Identität gesehen hat, auch seinen Arbeitgeber als haltende Umgebung für seine Identitätsentwicklung wahrgenommen hat. Die Zeiten haben sich diesbezüglich sehr gewandelt, die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber ist heute in den meisten Fällen nur noch sehr gering, wenige Menschen erwarten oder wünschen sich überhaupt noch, ihr ganzes Leben für einen Arbeitgeber zu arbeiten. Im Gegenzug ist natürlich der Stellenwert der Arbeit als Identitätsraum ungebrochen und genauso die Suche nach persönlicher Weiterentwicklung in einem geschützten System.
Hier kommen heutzutage vermehrt Business Schools und andere Anbieter von Leadership Development-Programmen ins Spiel: Manager scharen sich überall auf der Welt in Executive Programmen zusammen und nutzen diese nicht nur um ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Netzwerke zu erweitern, sondern auch – ob bewusst oder unbewusst – als persönlichen Entwicklungsraum, um zu konsolidieren oder manchmal sogar neu zu finden, wer sie eigentlich sind.
Als Unternehmen, dass auf über 20 Jahre Erfahrung in der Identitätsarbeit mit Führungsverantwortlichen und der Kulturentwicklung in Unternehmen zurückblickt, freuen wir uns natürlich sehr über das zunehmende Bewusstsein für den Stellenwert der Identitätsarbeit im beruflichen Kontext. Der Wertbeitrag solcher Arbeit ist nicht nur auf der Individualebene relevant, sondern auch ein Unternehmen an sich muss sich stetig in seiner Identität schärfen. Für uns impliziert das, dass wir einerseits unsere Exzellenz im Bereich der Gestaltung von unternehmensunabhängigen Identity Workspaces wie z. B. unseren Retreats und die daraus organisch resultierenden Netzwerke weiter ausbauen. Und andererseits bestärken und unterstützen wir Unternehmen in ihren übergeordneten identitätsbildenden Prozessen und besonders darin, eine Kultur und die entsprechenden Arbeitsräume zu gestalten, die Menschen gerecht werden, die sich langfristig und mit hohem Einsatz um die Entwicklung ihrer professionellen Fähigkeiten und Ressourcen bemühen.
Quellen:
Das vollständige INSEAD-Arbeitspapier "Identity Workspaces for Leadership Development" von Gianpiero Petriglieri können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen:
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1756743##
Der Artikel "Identity Workspaces: The Case of Business Schools" von Jennifer und Gianpiero Petriglieri kann hier gegen Gebühr eingesehen werden:
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1756743##
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